Nachdem ich von den neuen Puzzleteilen gehört haben, waren wir zunächst noch skeptisch, ob das alles auch wirklich so funktioniert. Es passte zwar logisch alles zusammen, aber die Lösung widersprach in einigen Punkten dem, was allgemein gelehrt wird.

Also suchten wir uns ein kleines Stück Weidefläche aus, um die neuen Ansätze zu testen. Im Winter hatten wir dieses Stück als Winterauslauf für unsere Jungböcke genutzt. Nach dem Winter war keine einzige grüne Pflanze mehr auf dem Abschnitt zu sehen. Dafür waren auf dem Boden Heureste, Ast-Reste und Mist verteilt. Die Schafe gingen dann im Frühjahr auf die anderen Wiesen.

Februar 2020

Nachdem die Schafe weg waren, wuchsen auf diesem Stück sehr viele verschiedene Unkräuter und sehr wenig Gras. Vor allem das Unkraut wucherte und fühlte sich sichtlich wohl. Die folgenden Fotos sind vom 20.6.2020.

Dies wollten wir ändern. Ziel ist es, das hier wieder jede Menge gesundes Gras wächst. Das Gras sollte sich hier genauso wohl fühlen, wie aktuell das Unkraut und die offensichtlich vorhandenen Nährstoffe in gutes Futter für unsere Schafe umwandeln. Also war hier eher das Ziel durch geplante Beweidung das Unkraut durch Gras zu ersetzen. Erst im 2. Schritt stand dann die Förderung des Graswachstums für eine größere Futtermenge an.

Im ersten Schritt durfte unsere Auenherde auf das Wiesenstück und dort alles aufgeräumt, indem sie gefressen haben und einiges des Aufwuchses plattgetrampelt haben.

Nachdem die Schafe weiter auf die nächste Wiese sind, sah das Stück dann so aus:

Ende August freuten sich die Spatzen über die Samen der Unkrautpflanzen, die vor dem Zaun stehen geblieben waren.

Dann kam für dieses Stück auch schon eine lange Pause, die direkt in die Winterpause, in der unsere Schafe komplett mit Heu versorgt werden, übergegangen ist. Diesen Winter gab es hier keinen Winterauslauf für unsere Schafböcke, da diese nun in unserem normalen Areal für die Böcke überwinterten. Nach dem Winter sah es dieses Jahr so aus:

Foto vom 23.4.2021

Im Frühjahr sollten die Schafe wieder auf das Stück. Und schon jetzt war eine Veränderung zu sehen. Es war viel weniger Unkraut auf der Fläche und die frei gewordenen Flächen wurden von Graspflanzen besiedelt. Die folgenden Fotos sind vom 8.5.2021. Die Nahaufnahmen sind aus dem vorderen Stück der Wiese. Hier wuchs im Vorjahr nur Unkraut und gar kein Gras.

Am 9.5.2021 durften die Schafe dann das frische Gras fressen. Vorher habe ich noch einige Fotos zum Vergleich aus anderen Perspektiven gemacht. Vor allem bin ich auch noch mal auf das hintere Stück gelaufen und musste feststellen, dass das Gras hier viel höher war und einige Pflanzen auch schon breitere Grashalme entwickelten.

Die Schafe und Ziegen freuen sich, fressen und laufen überall rum. Die folgenden Fotos zeigen die Schafe bei ihrer Arbeit und die Wiese, nachdem sie fertig sind.

Nach dem Beweiden konnte man zusehen, wie das Gras sofort wieder anfing zu wachsen. Und schon am 11.6.2021 konnten die Schafe sich erneut auf dem Stück sattfressen. Dieses Mal hatten wir sogar schon vielmehr Gras als im Mai. Dabei war das aktuelle Ziel weiterhin, das restliche Unkraut weniger werden zu lassen und dem Gras bessere Bedingungen zu schaffen. Im hinteren Bereich der Wiese, wie man das Stück inzwischen wohl wieder nennen darf ;), ist fast nur noch Gras vorhanden. Die Fotos sind bevor die Schafe und während die Schafe da waren entstanden:

Inzwischen war es Sommer geworden und es war von daher wärmer als vorher. Ein paar Tage später am 13.6.2021, sah es dann so aus:

Das niedergetrampelte Gras verfärbte sich braun und es blieb nur ein kleiner grüner Schimmer auf der Fläche. Es sah aus, als ob alles abgestorben ist. Aber nur ein paar Tage später konnte man sehen, dass das System funktioniert: Die ersten neuen Grashalme fingen an zu wachsen (Fotos vom 16.6.2021).

Live vor Ort sah es sogar noch beeindruckender aus, wie das junge, frische Gras sofort, nachdem alles vertrocknet aussah, innerhalb von wenigen Tagen kräftig anfing nachzuwachsen. Leider ist dies schwer auf den Fotos festzuhalten. Ich hatte das Gefühl, als ob man dem Gras tatsächlich beim Wachsen zusehen konnte. Und dann noch ohne Pause. Die Schafe hatte ja gerade erst alles verputzt.

Im späteren Verlauf des Sommers waren nur noch im vorderen Bereich und an den Rändern zwischen dem Gras Unkrautpflanzen zu sehen. Außerdem entstanden in einer Ecke (hinter der toten Birke) noch viele Kletten, die massiv und schnell wuchsen. Diese Ecke wurden von den Schafen weniger genutzt. Damit sich im Spätsommer die Kletten nicht in der Wolle verhedderten, haben wir diese entfernt, bevor unsere kleine Bockherde Mitte August 2021 und dann nochmals Anfang Oktober 2021 zum Fressen auf das Wiesenstück durften. Insgesamt konnten wir dieses Jahr die Schafe schon 4-mal auf dieses kleine Stück Weide stellen und es war jedes Mal reichlich Gras vorhanden. Die Graspflanzen wurden mit jedem Durchgang gesünder und entwickelten breitere Grashalme. Aktuell haben wir die Schafe und Ziegen (seit ca. einer Woche) in den Winterausläufen mit einem Stall als Unterstellmöglichkeit, da das Wetter doch inzwischen zum November passt. Ich versuche die Tage nochmal ein aktuelles Foto zu machen und hier nachträglich einzufügen.

Nachtrag:

Hier sind ein paar Fotos vom 22.11.2021. Die Schafe durften kurz bevor sie auf die Winterausläufe kamen, hier das Gras nochmal stark beweiden. Durch die kälteren Temperaturen ist das Wachstum des Grases inzwischen verlangsamt, aber es wächst immer noch ein bisschen. Das Unkraut ist noch nicht komplett verschwunden, aber ich finde, das Stück hat sich schon sehr zum Positiven verändert. Im vorderen Bereich gibt es noch viele Stellen mit blankem Boden, aber auch schon sehr schöne, immer kräftiger werdende Graspflanzen. Im hinteren Bereich ist der Boden besser mit Graspflanzen bedeckt und es sieht gleichmäßiger aus, aber die Einzelpflanzen haben schmalere Grashalme als vorn.

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